In der Bossing-Falle

Bossing ist das Mobbing durch einen Vorgesetzten. 

Das Mobbing begann 1994. Ich war bei einem sehr großen Stahlhersteller beschäftigt. Dieser Arbeitgeber war eine der weltmarktführenden Blechhersteller in Deutschland mit staatlicher Beteiligung. Ich arbeitete dort seit 1974, machte dort meine Ausbildung. Es war ein Beruf, den man nur in dieser Firma ausüben konnte. Ich war stets bemüht meine Arbeit bestens zu verrichten. Ich arbeitete sehr gerne dort. Ich hatte selten Probleme mit meinem Betriebschef. 1979 besuchte ich einen Abendkurs um Meister zu werden. Nach 3 Jahren hatte ich den Brief in der Tasche. Es gingen einige Kollegen in Rente, so dass eine Vorarbeiterstelle frei wurde. Mein Meister wollte, dass ich diesen Platz übernehme. Ich war voller Elan und stolz, denn es war schwer einen solchen Arbeitsplatz überhaupt erst einmal zu bekommen. Aber nach einiger Zeit fing es an. Auf einer anderen Schicht musste ein junger Meister (Ein Jahr jünger als ich), dieser hatte einen Diebstahl (Wortspiel Stahl-hersteller) begangen, bzw. lies er klauen. Er schaffte das Material, es war keine Kleinigkeit (Fenster, Türen aus einem Neubau mittels Eisenbahnwaggons hinaus).

Aber das Seltsame, er wurde nicht entlassen, der Betriebschef setzte sich für ihn ein, dass er bleiben durfte. Andere wurden für Kleingram fristlos entlassen. Hatte er vielleicht den Diebstahl im Auftrag des Betriebsleiters ausgeführt. Man munkelte der Betriebsleiter, ein Freizeitjäger, hätte sich eine Jagdhütte bauen lassen.

Der Mann war auf einer anderen Schicht, nach einiger Zeit wurde er auf meine Schicht, als normaler Arbeiter, versetzt. Dadurch wurde es mir mulmig, mir war der Mann unangenehm. Er wusste alles besser. Der Mann war intelligent, kannte sich gut aus.

Ich aber machte nun schon einige Zeit den Vorarbeiterjob, wurde aber nicht schriftlich ernannt, bekam den Stundenlohn des Vorarbeiter. nur bei Anwesenheit bezahlt. Der Unterschied war groß, ca. 3 DM, bei Urlaub bekam ich halt weniger Geld, das ärgert einen ja. Eine Beschwerde fruchtete nicht.

Eines Tages tauchte ein Betriebsratsmitglied bei mir auf, ich sollte den Arbeitsplatz räumen, und Platz machen, für den „Dieb”. Ich gab ihm aber keine Antwort, tat so als würde es mich nicht jucken. Dieser Gewerkschaftler, ein guter Freund meines Chefs, fing an mich telefonisch zu terrorisieren, ständig nervtötende Anrufe, die Stelle aufzugeben. Mir blieb halt stets die Luft weg, ich kannte so etwas ja nicht. Es kam mir nicht in den Sinn, dass es Mobbing ist. Aber ich blieb taff und grinste stets bei Begegnungen.

Der damalige Ministerpräsident Oscar Lafontaine zu Besuch

2 Jahre später wurde eine Meisterstelle durch Pensionierung frei. Ich wurde befragt, ob ich Meister werden will. Ich nahm den Job an, und nach einiger Zeit wurde ich zum mitarbeitenden Vorabeiter ernannt, aber ich war Meister. Die Führung schickte mich oft auf Meisterlehrgänge. Auf Berufsgenossenschaftslehrgänge für Meister. Den Stundenlohn bekam ich immer noch als Vorarbeiter, bei Anwesenheit wurde ich als Meister bezahlt, bzw. musste ich die Entlohnung selbst in der Zeitenerfassung der Lohnabteilung eintragen.

Es wurde mir ein neuer Vorarbeiter von einer anderen Schicht untergejubelt. es stellte sich dann heraus, der Dieb und er versuchen gemeinsame Sachen zu machen, trafen sich Privat u.a., Sie überzogen Pausen, das Mobbing fing erst richtig an. Der Aufenthaltsraum war neben meinem Meisterbüro, da sah ich durch ein Fenster ihre Arbeitsmoral (sie hatten oft lange Privatgespräche geführt und Pausen überzogen) . Dann fingen die beiden an, auch andere Mitarbeiter zu dieser Arbeitsmoral anzustiften. Mir patzte oft der Kragen, stellte sie oft zur Rechenschaft. Es hörte nicht auf…. Als Vorarbeiter solche Arbeitsmoral? Sie fingen an meine Arbeit zu kritisieren, u.a. Sobald ich ein Problem hatte, dann wurde dies ausgenutzt um mich zu ärgern. Es war sehr viel vorgefallen. Der Vorarbeiter wurde plötzlich Vertrauenskörper der Gewerkschaft, er machte sich zum Sprecher meiner Mitarbeiter. Das setzte mich stark unter Druck. Der Vorarbeiter fiel mir in den Rücken. Die Zwei konnten besser reden, waren schlagfertiger. Da fiel mir oft nichts mehr ein, aber ich lies mir nichts anmerken und grinste nur.

Das ich den Chef immer angrinste, das ärgerte ihn. Einmal war er sehr wütend, er packte mich von hinten am Hals, ich war gerade, nach kurz vom Ende der Nachtschicht, am Schreiben, und bemerkte nur, dass seine Bürotür (Sein Büro war unmittelbar neben seinem Büro) aufging, jemand trat in den Raum.

Ich musste aufpassen, welche Arbeitsaufgaben ich ausführen lies. Es waren einige Fallen darunter. Es wurde einmal ein Schaden in Millionenhöhe initiierte, um mir den „schwarzen Peter” in die Schuhe zu schieben. Ich verweigerte diese Arbeit ausführen zu lassen, der Betriebsleiter nahm die Sache selbst in die Hand. Er stellte sich persönlich dahin. Es musste ein Block von 50t Gewicht mit einem 25t Kran transportiert werden. Die Moral von dieser Geschichte, der Kran packte dieses Grobblech nicht, der Kran trug einen hohen Schaden mit sich. Eine hohe Rechnung, Fremdfirma musste herauskommen, Ausfallzeit, es dauert zwei Wochen bis der Kran wieder funktionstüchtig war. Solche ähnlichen Vorfälle gab es öfters.

Die Chefs bekamen mich nicht so einfach los, ich hatte Standfestigkeit bewiesen. Der alte Chef wurde berentet. Es wurde ein neuer Betriebsleiter ernannt, ein jüngerer Mann, kam erst von der Schule.  Der wurde rabiater, der hatte schöne Sprüche geklopft. Er führte die Arbeit weiter, wo der alte Chef aufgehört hatte. Ständige Drohanrufe von der Personalverwaltung und Einladungen zu Gesprächen.

Bis eines Tages, es wurde eine Beratungsgesellschaft in die Firma geholt. Es sollten 500 Mitarbeiter abgebaut werden. Diese Beratergesellschaft lies arbeitsunrechtliche Schritte vornehmen.

Ich wurde mehrmals zu Gesprächen eingeladen, Zeugen waren unerwünscht. Mir wurde ein anderer Arbeitsplatz angeboten. Ich solle aufgeben, sonst würde ich mich noch aufhängen.

Ständiger Telefonterror, zwängten mich zur Aufgabe. ich hielt dem Terror nicht mehr stand.

Ich wurde als Meister abgesetzt, kaltgestellt, bekam kaum Beschäftigung und deutlich weniger Lohn. Mir wurde ein Büroraum zur Verfügung gestellt. Früher war es ein kleiner Abstellraum. Ich bekam fast keine bzw. selten eine Arbeit zu geteilt. In dem Zimmer liefen oft laute Drucker. Ab und zu sollte ich  Kopien machen. Oder eine Arbeit, die sinnlos war, und solche die nicht ausführbar war. Ich bekam Existenzängste, hatte eine Familie mit 2 Kinder zu versorgen. Ich war soweit mir platzte der Kragen.

So wurden auch andere Kollegen schikaniert und versetzt. Der Lohn wurde gekürzt, verschiedene Mitarbeiter wurden umgesetzt, bekamen schlechte Arbeitsplätze mit Lohnverlust, weniger Gehalt, schleichend, damit der Verlust nicht auf einen Schlag auffällt. Betriebe wurden zusammengelegt, dass man mal eine andere Arbeit ausführen musste, ob man will oder nicht. Frust machte sich breit.

Eines Tages wurde eine Pressemitteilung herausgegeben, im regionalen Fernsehen, Radionachrichten sowie in mehreren Zeitungen. Diese lautete:

Ich bemerkte, dass dies eine „versteckte Drohung” ist!

Ich hatte telefonischen Kontakt, wegen meiner Beschwerde, mit dem Gesundheitsministerium des Saarlandes. Bei meinem Arbeitgeber beschwerten sich Betroffene nur im stillen Kämmerlein. Auf Betriebsversammlungen traute sich keiner den Mund aufzumachen. Selbst Gewerkschaftler nicht.

Ich hielt eine Rede vor 3.500 Kollegen und mehrere externe Gäste von 30 Min. , obwohl ich nicht der geborene Redner war, auf einer Betriebsversammlung. Ich warf der Betriebsleitung vor, dass hier eine schlechte Personalpolitik betrieben wird und dies Mobbing sei.

Anschließend bekam ich so mache Schwierigkeiten…!

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